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"Reduziere deinen Stress" – aber was ist Stress eigentlich? "Stress Reduzieren" konkret gemacht

vor 4 Tagen
11 Min. Lesezeit

Warum dieser Rat meist nutzlos ist - und was man wirklich tun kann.

Stress im Alltag
"Zu viel Stress? Reduzier ihn doch einfach!"

"Sie sollten wirklich mal Ihren Stress reduzieren." Du kennst diesen Satz- vielleicht von einer Ärztin, einem Hausarzt, einer guten Freundin. Du nickst, stimmst zu – und gehst dann nach Hause und tust: nichts. Nicht, weil dir dein Wohlbefinden egal wäre, sondern weil dieser Satz schlicht keine Anleitung enthält. Was genau reduzieren? Wie? Ab wann hat man "genug" reduziert? Ja, du hast Stress, aber bei vielen Sachen hast du wahrscheinlich das Gefühl, sowieso keinen Einfluss zu haben: Studium, Job, Wohung oder Kinder hören ja nicht einfach auf, dich zu fordern.


"Stress reduzieren" ist einer der bestgemeinten und gleichzeitig unbrauchbarsten Ratschläge der modernen Medizin. Er wird immer häufiger ausgesprochen, weil die Forschung immer klarer zeigt, wie sehr chronischer Stress mit so gut wie jeder Erkrankung zusammenhängt – von Herz-Kreislauf-Problemen über Autoimmunerkrankungen bis zu Verdauungsbeschwerden. Aber als Handlungsanweisung ist er so schwammig, dass die meisten Menschen ihn hören, kurz nicken, und ihr Leben exakt so weiterführen wie zuvor.


Ein Grund dafür: Die meisten von uns verstehen unter "Stress" ausschließlich das Gefühl von Überforderung, Zeitdruck oder emotionaler Belastung. Das ist aber nur ein Teil des Bildes – und oft nicht einmal der größte. In diesem Artikel schauen wir uns an, was Stress aus physiologischer Sicht eigentlich bedeutet, welche unsichtbaren Faktoren mit hineinspielen, und was du konkret verändern kannst, wenn der psychische Anteil tatsächlich der Kern deines Themas ist.


Was ist Stress eigentlich?

Der ungarisch-kanadische Endokrinologe Hans Selye prägte in den 1930er-Jahren den Begriff des "Allgemeinen Adaptationssyndroms": eine unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Art von Anforderung, die eine Anpassung erfordert. Unspezifisch ist dabei das Schlüsselwort – dein Nervensystem unterscheidet auf der Ebene der Stressreaktion nicht sonderlich genau zwischen einer nahenden Deadline, einer schlaflosen Nacht, einem Infekt oder einer lauten Baustelle vor dem Fenster. In allen Fällen läuft im Kern dieselbe Kaskade ab: Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren (die sogenannte HPA-Achse) schütten Cortisol und Adrenalin aus, um dich handlungsfähig zu machen.


Selye beschrieb drei Phasen: die Alarmreaktion, die Phase des Widerstands (in der dein Körper sich anpasst und funktioniert) und, bei anhaltender Belastung, die Erschöpfungsphase. Die Neurowissenschaftlerin Bruce McEwen erweiterte dieses Modell später um den Begriff der "allostatischen Last" – die kumulative Abnutzung, die entsteht, wenn dein System über Monate oder Jahre hinweg mehr Anpassungsleistung erbringen muss, als es sich erholen kann. Durch eine Haarmineralanalyse kann man einordnen, in welcher der Stressphasen du dich derzeit biochemisch befindest.


Der entscheidende Punkt für diesen Artikel: Dein Körper führt über all diese verschiedenen Anforderungen ein gemeinsames Konto. Ein Nährstoffmangel, ein lauter Arbeitsplatz, eine schwierige Beziehung und eine unterschwellige Schwermetallbelastung zahlen alle auf dasselbe Konto ein. Wenn du also "deinen Stress reduzieren" willst, aber nur an der psychischen Ebene ansetzt, während fünf andere Konten gleichzeitig belastet werden, wirst du wahrscheinlich wenig spüren – nicht, weil du es falsch machst, sondern weil du nur einen von vielen Posten bearbeitest.


Stress Eisberg
Der Stress-Eisberg geht deutlich tiefer als bloß psychischer Stress

Die unsichtbaren Stressoren

Hier kommen die Faktoren, die auf dasselbe Konto einzahlen wie emotionaler Stress, aber in den seltensten Fällen mitgedacht werden, wenn jemand "reduziere deinen Stress" sagt.


Schlafmangel

Schlafentzug aktiviert die HPA-Achse direkt und messbar. Studien zeigen sowohl einen erhöhten Cortisol-Grundspiegel nach schlechten Nächten als auch eine verstärkte Cortisol-Reaktion auf zusätzliche Stressoren am Folgetag – dein System ist nach einer schlechten Nacht buchstäblich empfindlicher für alles, was als Nächstes kommt. Wer chronisch zu wenig oder zu unregelmäßig schläft, startet jeden Tag mit einem geringeren Puffer. Ich habe einen umfassenden Artikel zum Thema "Ganzheitlich den Schlaf verbessern" verfasst, den du hier findest.


Toxische Belastungen

Schwermetalle wie Blei, Quecksilber oder Cadmium docken in den Mitochondrien an – den Kraftwerken deiner Zellen – und lösen dort vermehrt reaktive Sauerstoffspezies (freie Radikale) aus. Das ist kein abstraktes Konzept: Es bedeutet weniger verfügbare Zellenergie und einen Körper, der einen Teil seiner Kapazität permanent für Entgiftung statt für Erholung aufwenden muss.

Neben der Vermeidung von Toxinen ist auch das stetige Ausscheiden von Toxinen sehr wichtig - mein Lieblings-Tool dafür ist Mineral Balancing basierend auf einer Haarmineralanalyse.


Oxidativer Stress

Das ist eng mit dem vorigen Punkt verwandt, aber breiter gefasst: Immer wenn mehr freie Radikale entstehen, als deine körpereigenen Antioxidans-Systeme abfangen können, entsteht Zellstress – unabhängig davon, ob die Quelle Schwermetalle, Umweltgifte, intensives Training, chronische Entzündung oder schlicht zu wenig antioxidativ wirksame Nährstoffe in der Ernährung sind. Auch das ist Stress im physiologischen Sinn, nur eben auf zellulärer statt auf emotionaler Ebene. Man kann sich hier auch mit Antioxidantien helfen.

Meine Favoriten sind:

  • Taurin (extrem versatile Aminosäure) - Link*

  • Astaxanthin (entzündungshemmend, wirkt auch gut im Darm und schützt vor Sonneneinstrahlung) Link*

  • OPC (unterstützt zudem den Blutfluss) - Link*

  • Glutathion (das wichtigste körpereigene Antioxidans - es macht aber nicht sinn, es Glutathion selbst oral zu supplementieren. Besser ist es, NAC und Glycin, die Vorstufen davon, zu supplementieren.) - Link zu einem NAC&Glycin Präparat*


Zu viel Bewegung

Bewegung ist gesund – bis sie es nicht mehr ist. Intensives Training aktiviert genau dieselbe HPA-Achse wie psychischer Stress. Bei ausreichend Erholung ist das eine gesunde, adaptive Reaktion. Fehlt diese Erholung über längere Zeit, entwickelt sich das sogenannte Übertrainings-Syndrom: Die Cortisol-Antwort auf Belastung wird paradoxerweise schwächer statt stärker, die Leistung sinkt trotz (oder wegen) noch mehr Training, und Symptome wie Erschöpfung, Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen häufen sich. Wer ohnehin schon viele andere Stressoren im Leben hat, sollte tägliches Hochleistungstraining nicht automatisch als "gesunden Ausgleich" verbuchen - genau das höre ich in der Praxis aber häufig von Klienten.


Ich empfehle meistens sanfte Bewegungen wie Tai Chi, Qi Gong oder Gehen. Möchtest du Krafttraining beibehalten, ist das okay. Dann würde ich aber die Sessions so gestalten, dass du nicht zu stark über deine Grenzen gehst und die Workouts nicht länger als eine Stunde lang durchführen.


Elektromagnetische Felder (EMF)

Hier möchte ich ehrlich sein, weil das Thema in der Wellness-Welt oft deutlich entschiedener dargestellt wird, als es die Datenlage hergibt: Die WHO kommt nach jahrzehntelanger Forschung zu dem Schluss, dass es aktuell keine überzeugende Evidenz für gesundheitliche Schäden durch alltägliche, niedrige EMF-Belastung gibt. Gleichzeitig hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) sowohl niederfrequente als auch hochfrequente EMF als "möglicherweise krebserregend" eingestuft (Kategorie 2B) – eine vergleichsweise schwache Evidenzkategorie, die auf begrenzten, nicht auf überzeugenden Daten beruht.

Das Thema "EMF-Schaden" ist aber auch deshalb umstritten, weil die wissenschaftlichen Daten dazu massiv zensiert werden. Über Google oder KI lassen sich kaum mehr Studien finden, aber es gibt sie. Der Arzt und Kinesiologe Dr. Klinghardt hat unzählige Studien gesammelt, die er in seinen Vorträgen teilt. Ein heißer Tipp von mir sind seine "DonnersTalks", die er jeden Donnerdtag kostenlos streamt.


Für mich ist daher klar, dass EMFs zu meiden sind. Deshalb steht in jedem Protokoll von mir der Punkt "EMF meiden" mit folgender Erklärung:

Elektrosmog, also die elektromagnetische Strahlung ist einer der größten Stressoren der modernen Welt. Das Smartphone sollte auf keinen Fall am Körper getragen werden und beim Telefonieren nicht an den Kopf gehalten werden. Ich lege mein Handy immer mindestens 30cm entfernt ab und spreche mit Lautsprecher, auch in der Öffentlichkeit, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Der wichtigste Ort, der abzuschirmen ist, ist das Schlafzimmer. Hier sollten sich weder Handy, Laptop, Fernseher noch sonstige Geräte befinden. Ich schalte über Nacht beim Stromkasten den Strom im Schlafzimmer aus. Das WLAN sollte auch über Nacht abgeschaltet werden. Noch besser ist es, es immer abzuschalten, wenn es nicht in Verwendung ist.

Überatmen

Die meisten Menschen atmen chronisch zu viel, nicht zu wenig. Das mag paradox klingen, ist aber gut dokumentiert: Überatmen senkt den CO₂-Spiegel im Blut, was wiederum die Sauerstoffabgabe ans Gewebe erschwert und den Sympathikus – deinen "Kampf-oder-Flucht"-Zweig des Nervensystems – aktiviert hält. Wer chronisch überatmet, befindet sich also in einem Dauerzustand leichter physiologischer Alarmbereitschaft, ganz unabhängig davon, was gerade emotional los ist. Ich habe zum Thema "Atem" einen detaillierten Artikel geschrieben - du findest ihn hier.


Lärm

Verkehrslärm, besonders nachts, aktiviert nachweislich die HPA-Achse und erhöht Cortisol- und Katecholaminspiegel – das sogenannte "Lärmreaktionsmodell". Die WHO schätzt allein für Westeuropa jährlich 1,6 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre durch verkehrsbedingten Lärm. Besonders relevant: Der Effekt ist nachts am stärksten, weil Lärm dort zusätzlich den Schlaf fragmentiert – zwei Stressoren aus dieser Liste verstärken sich gegenseitig. Solltest du eine unausweichliche Lärmbelastung in der Nähe haben, könnten sich qualitati hochwertige Schlaf-Ohrstöpsel lohnen (die billigen sind oft unangenehm oder fallen heraus).


Blutzuckerschwankungen

Ein Blutzuckerabfall wird von deinem Körper als akute Bedrohung interpretiert – die logische Antwort darauf ist die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin, um den Blutzucker wieder anzuheben. Wer regelmäßig große Mahlzeiten mit viel Zucker und wenig Eiweiß oder Ballaststoffen isst, oder Mahlzeiten häufig auslässt, produziert dadurch mehrmals täglich kleine, hausgemachte Stressreaktionen – unabhängig vom restlichen Tagesablauf. Jede Mahlzeit sollte daher eine Mischung aus Protein, Fett und Kohlenhydraten (am besten komplexe KH) sein, idealerweise mit gekochtem Gemüse für die Ballaststoffe. Die meisten würden sich auch besser fühlen, wenn sie 3-5 mal am Tag essen würden, anstatt z.B. zu fasten.


Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus

Deine Cortisol-Ausschüttung folgt einem festen Tagesrhythmus, der maßgeblich über Lichteinfall gesteuert wird. Künstliches Licht am Abend, unregelmäßige Schlafenszeiten oder Schichtarbeit bringen diesen Rhythmus durcheinander – mit direkten Folgen für Blutzuckerregulation, Immunsystem und eben auch die Stressachse selbst.

Die zwei wichtigsten Maßnahmen hierfür sind:

  1. mindestens 1, besser noch 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen künstliches Licht meiden

  2. morgens nach dem Aufstehen ins direkte Sonnenlicht, also nicht durch eine Fensterscheibe, für 5-10 Minuten gehen.


Und: Histamin und Mastzellen

Ein Punkt, der in keiner Liste versteckter Stressoren fehlen sollte, wenn du meinen Artikel über Mastzellen und Histamin schon gelesen hast: Ein übererregtes Mastzellsystem ist selbst eine Form von chronischem Körperstress – und Stress wiederum kann Mastzellen direkt aktivieren. Wenn du an vielen Fronten gleichzeitig kämpfst, lohnt sich ein Blick auf beide Seiten dieser Medaille.


Stress ursachen
Unterschiedliche Ursachen, die zum selben Problem beitragen: Stress

Psychischer Stress: Was du konkret tun kannst

Nachdem wir jetzt das ganze Feld aufgemacht haben, zurück zu dem Teil, an den die meisten Menschen ohnehin zuerst denken: emotionaler und sozialer Stress. Hier ein paar konkrete, umsetzbare Hebel, die dir vielleicht helfen, ein konkreteres Bild von "Stressreduktion" zu haben.


Pausen aktiv einplanen

Pausen sollten keine Belohnung, die du dir "verdienen" musst sein, sondern sollten als festen Bestandteil deines Tages eingeplant werden. Auch ein Bugatti muss anhalten, um zu tanken. Und: nicht mehr soziale Verpflichtungen ansammeln, als du wirklich brauchst und willst. Jedes "Ja" zu einem Treffen, das dich eigentlich nicht nährt, ist ein "Nein" zu Erholung.


Aufhören, es allen recht machen zu wollen

Der Wunsch, gemocht zu werden und niemanden zu enttäuschen, ist einer der konstantesten, unsichtbarsten Stressoren überhaupt – weil er nie aufhört. Er läuft im Hintergrund, bei jeder Nachricht, jedem Meeting, jeder Familienfeier. Fast jeder hat dieses Verlangen, weil er eng mit dem Überleben verbunden ist. Vor allem bei weiblichen Klienten beobachte ich das Thema "allen gefallen wollen" oft. Mittlerweile durfte ich auch schon einige Damen zwischen dem Alter von 65 und 90 in meiner Praxis coachen und fast jede von ihnen hat sich, auch bedingt durch die damalige Zeit und Erziehung, ihr Leben lang anderen angepasst. Fast jede von ihnen hat es bereut, nicht ihr eigenes Leben gelebt zu haben. Sie waren verbittert, frustriert, einsam (oft trotz Kindern) un oben drauf noch krank. Das Thema, es anderen recht machen zu wollen, geht tiefer, als ich jetzt in einem Absatz ausführen kann - ich werde sicher noch einen Artikel darüber schreiben. Du wirst nicht von einem Tag auf den anderen dein Verlangen, dich anzupassen, loswerden können, aber du kannst zumindest refkletieren, wie es bei dir aussieht:

  • Was machst du nur, um es anderen Recht zu machen?

  • Worauf verzichtest du bzw. was meidest du, weil du Angst hast, was die anderen sagen werden?

  • Woher beziehst du deinen Selbstwert - vom Inneren oder von Feedback von außen?


Klare Grenzen bei der Arbeit

Genau beurteilen, was tatsächlich deine Aufgabe ist – und was du aus Gewohnheit, Pflichtgefühl oder Angst vor Konflikt zusätzlich übernimmst. Diese Grenze ist selten von außen vorgegeben; du musst sie meistens selbst ziehen. Ein häufiger Faktor bei arbeitsbedingtem Burnout ist, dass jene Menschen Dinge auf sich nehmen, die gar nicht in ihrem Aufgaben-Bereich liegen.


Beziehungen, Job und Leben ehrlich hinterfragen

Passt das noch zu mir – oder halte ich nur fest, weil Veränderung unbequem ist? Diese Frage ist unangenehm, aber oft der größte Hebel von allen. Chronischer Stress entsteht selten nur durch zu viele Termine, sondern häufig dadurch, dass wir in etwas verharren, das uns schon lange nicht mehr dient. Wir halten aus Angst vor dem ungewissen an Dingen fest, die uns nicht mehr dienen, aber zumindest bekannt sind. Der Mut, hinter den Horizont des Altbekannten zu schauen, kann Berge versetzen - trau dich!


Therapeutische Unterstützung

Damit meine ich auch kinesiologische Arbeit: Es geht nicht nur darum, über Stress zu sprechen, sondern die tatsächliche Stressreaktion im Nervensystem zu verändern, damit du im Alltag anders auf dieselben Auslöser reagierst. Genauso können aber Psyotherapie, Coaching oder gar die Beichte eine sinnvolle Hilfestellung sein.


Digitale Grenzen ziehen

Ständige Erreichbarkeit hält dein Nervensystem in einer Art Dauerbereitschaft, selbst wenn objektiv nichts passiert. Feste, unterbrechungsfreie Zeiten ohne Benachrichtigungen sind hier oft wirksamer als jede App zur "Achtsamkeit". Zumindest die letzten zwei Stunden vor dem Schlafengehen ohne Handy - das schaffst du ;)


Erholung von Ablenkung unterscheiden

Scrollen fühlt sich wie eine Pause an, ist für dein Nervensystem aber oft keine. Echte Erholung ist das, wonach du dich hinterher tatsächlich ruhiger und klarer fühlst – nicht automatisch das, was am wenigsten Anstrengung kostet.


Selbstmitgefühl statt innerer Kritik

Ein ständig kritischer innerer Dialog ist, biochemisch betrachtet, ein Stressor wie jeder andere – dein Körper unterscheidet kaum zwischen einer äußeren Bedrohung und der Art, wie du innerlich mit dir selbst sprichst. Selbstmitgefühl ist aber etwas gänzlich anderes als Selbstmitleid, dass selten einen positiven Effekt hat.


Meditation und Achtsamkeit

Beides sind heutzutage fast schon ausgelutschte Buzzwords geworden, aber sie haben absolut ihre Daseinsberechtigung. Regelmäßige Meditation kann sich auf Dauer maßgeblich auf deinen Stress-Response auswirken. Was zwar keine "Meditation" ist, aber eine durchaus meditative Übung, die ich stets empfehle, ist die "Pulling Down"-Übung - hier findest du meinen Artikel dazu.

Achtsamkeit ist nach meinem Empfinden die Fähigkeit seine Gefühle und Gedanken bewusst wahrzunehmen, anstatt ihnen nur passiv ausgesetzt zu sein. Diese Fähigkeit kann dich davor schützen, in Gedankenstrudel zu versinken. Meine Buchempfehlung für emotionale Regulation ist "Loslassen, der Weg zur Freiheit" von David R. Hawkins.


Nährstoffe, die dein Nervensystem dabei unterstützen können Stress zu reduzieren


Viele der Mechanismen, um die es in diesem Artikel ging, laufen am Ende über dieselben paar biochemischen Wege zusammen – allen voran über GABA, den wichtigsten hemmenden Neurotransmitter deines Nervensystems, und die HPA-Achse selbst. Genau hier setzen die folgenden Nährstoffe an. Bewusst nicht dabei: Ashwagandha und andere klassische Adaptogene – die verdienen einen eigenen Artikel.


L-Theanin

Diese Aminosäure aus grünem Tee erhöht nachweislich die Alpha-Wellen-Aktivität im Gehirn – ein EEG-Muster, das mit einem entspannten, aber wachen Zustand einhergeht (daher der Vergleich mit "wacher Ruhe"). In einer placebokontrollierten Crossover-Studie senkte eine Einzeldosis von 200 mg nach einer akuten Stressaufgabe das Speichel-Cortisol deutlich stärker als Placebo. Praktischer Nebeneffekt: Es macht nicht müde und lässt sich deshalb gut mit Kaffee kombinieren, um dessen Nervosität abzufedern. Ich nehme sogar höhere Dosen von 500-900mg - dafür ist es besser, sich ein Pulver anstelle von Kapseln zu besorgen.


Taurin

Diese schwefelhaltige Aminosäure wirkt direkt an Glycin- und an extrasynaptischen GABA-A-Rezeptoren und beruhigt dadurch Nervenzellen, ohne wie klassische Beruhigungsmittel gleichzeitig die Muskelspannung zu senken. Der Mechanismus ist solide erforscht, stammt bisher aber größtenteils aus Tiermodellen – belastbare Humanstudien speziell zu Alltagsstress stehen noch aus.


Magnesium

Der wohl am besten erforschte "Klassiker" hier: Magnesium dämpft NMDA-Rezeptoren, verstärkt die GABA-vermittelte Hemmung und bremst eine überaktive HPA-Achse. Ein systematischer Review fand positive Effekte auf subjektiv empfundene Angst vor allem bei ohnehin stressanfälligen Gruppen, etwa bei PMS – bei anderen Gruppen war die Datenlage gemischter. Bei Magnesium ist vor allem das Verhältnis zu Calcium und Natrium wichtig - blind zu viel einzunehmen kann auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Um das zu vermeiden, wäre eine HMA sinnvoll, aber 200-400mg täglich zu supplementieren sollte für kaum jemanden ein Problem sein.


Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Der Inhaltsstoff Rosmarinsäure hemmt das Enzym GABA-Transaminase, das GABA im Normalfall abbaut – dadurch bleibt mehr davon im Gehirn verfügbar. In einer kontrollierten Humanstudie linderte eine akute Einnahme von Zitronenmelisse-Extrakt die negativen Stimmungseffekte einer im Labor ausgelösten Stresssituation deutlich. Als Tee eine der sanftesten, alltagstauglichsten Optionen aus dieser Liste.


Phosphatidylserin

Weniger bekannt, aber mit einem interessant spezifischen Wirkmechanismus: Phosphatidylserin scheint gezielt den Cortisol-Ausschlag nach akutem Stress abzudämpfen, in Studien um grob 15–30 %, unter anderem nach intensivem Training. Besonders für das Gefühl "müde, aber aufgedreht" – abends im Bett, aber der Kopf schaltet nicht ab – ein interessanter Kandidat.


Glycin

Die einfachste aller Aminosäuren wirkt selbst als hemmender Neurotransmitter. In einer japanischen Studie verbesserte die Einnahme von 3 g Glycin vor dem Schlafengehen sowohl subjektiv empfundene als auch im Schlaflabor gemessene Schlafqualität, ohne die Schlafarchitektur selbst zu verändern. Ein sinnvoller Baustein besonders dann, wenn bei dir eher Schlafmangel oder Überatmen aus der Liste weiter oben eine Rolle spielen.


Wie bei allem in diesem Artikel: Diese Nährstoffe ersetzen keine der weiter oben genannten Hebel, sie ergänzen sie. Am meisten bringen sie dort, wo tatsächlich ein Mangel oder ein spezifisches Ungleichgewicht vorliegt – und das lässt sich individuell am besten einschätzen, statt pauschal draufloszusupplementieren.


Zum Schluss

"Reduziere deinen Stress" bleibt ein schlechter Ratschlag, solange er vage bleibt. Aber sobald du ihn aufschlüsselst – in Schlaf, Toxinbelastung, Bewegung, Lärm, Blutzucker, Licht und die tatsächlichen psychischen Themen dahinter – wird aus einer unmöglichen Aufgabe eine Liste konkreter, einzeln angehbarer Punkte. Du musst nicht dein ganzes Leben auf einmal umkrempeln. So gut wie niemand tut das erfolgreich. Häufig reicht es, sich einen einzigen Punkt aus dieser Liste vorzunehmen, der beim Lesen am meisten Resonanz ausgelöst hat, und dort anzufangen.


Welche deiner Stress-Konten sind gerade am vollsten?

In einer Haarmineralanalyse in Kombination mit Kinesiologie schauen wir uns an, welche der körperlichen und emotionalen Stressoren aus diesem Artikel bei dir tatsächlich eine Rolle spielen – und wo dein Nervensystem gerade wirklich steht. Damit "Stress reduzieren" für dich konkret wird, statt vage zu bleiben.



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Die energetische Hilfestellung hat zum Ziel, die körpereigenen Energiefelder zu aktivieren und zu harmonisieren, um deren Wiederherstellung und Harmonisierung zu fördern. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Maßnahmen keine Heilbehandlung sind und dass ihre Wirkungsweise und ihr Erfolg nicht wissenschaftlich belegt sind oder bei bestimmten Methoden widerlegt wurden. Daher kann die energetische Hilfestellung nicht als Ersatz für ärztliche Diagnose und Behandlung oder psychologische oder psychotherapeutische Untersuchung oder Behandlung angesehen werden. Es ist wichtig zu betonen, dass sämtliche Aussagen und Ratschläge keine Diagnosen darstellen, sondern lediglich rein energetische Zustandsbeschreibungen sind.

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